Technik

Fürs Musikmachen wird Hardware benötigt. Software manchmal auch, dazu gibt es aber einen extra Beitrag. Da ich ja Verfechter von elektronisch erzeugten Klängen bin, spielen technische Geräte bei mir eine größere Rolle als analoge Musikinstrumente. Ich möchte versuchen, die von mir benutze Technik halbwegs chronologisch vorzustellen. Da ich von vor dem Jahr 2000 keine digitalen Bilder habe, habe ich die Papierbilderkiste durchsucht und stieß auf folgende herrliche Zeitdokumente.

1998/1990 beginnende Lust an selbstgemachter Musik aus dem Kinderzimmer

Kurz nach der Wende hatten auch wir die Möglichkeit, mit 100DM Begrüßungsgeld in Westberlin einkaufen zu gehen. Was ich mir sehnlichst wünschte, war ein Walkman für den mobilen Musikgenuss. Wenn ich mich recht entsinne, hat das Gerät 88DM gekostet und ich war überglücklich. Das Teil hängt links im Bild unter dem linken Lautsprecher. Apropos Lautsprecher – richtige Boxen waren natürlich Mangelware und so habe ich mir meine eigene Beschallungsanlage installiert. Es sind 3 Lautsprecher zu sehen, die Anlage war mono. Der Verstärker mit Radio steht unten rechts im Bild. Darauf steht ein außergewöhnliches Musikinstrument. Das ist eine selbstgebaute Orgel meines Vaters. Dieser monophone FM-Synthi konnte per Druck auf eine selbstgebaute Klaviatur annähernd stimmige Quietschtöne erzeugen. Mit ein paar Reglern konnte man die Klangfarbe geringfügig ändern. Links neben der Orgel steht ein selbstgebautes Mischpult. Es hatte glaube ich 4 Eingangskanäle, einen Mikrofonverstärker und eine Vorhörfunktion für Kopfhörer. Angeschlossen war neben dem Radio ein kleiner Kassettenrecorder (links neben dem Mischpult – sehr schlecht zu sehen, da schwarz), die Orgel und ein Mikrofon. Betrieben wurde das Mischpult mit einem ebenfalls selbstgebauten Netzteil, was links neben dem Kassettenrecorder steht (das Teil mit dem Henkel dran). Links neben dem Netzteil befindet sich eine Zither, die ich aber nie wirklich spielen konnte. Also habe ich das Mikrofon nicht zur Tonabnahme für die Zither genutzt sondern für kindlichen Sprechgesang. Das war sozusagen die Geburtsstunde des DJ KonsuMbrötchen. Entstanden ist der gleichnahmige Titel:

DJ KonsuMbrötchen

Musik zusammenmischen nur für mich war mir auch nicht ganz recht. Ich hatte den Wunsch, dies einmal im Radio zu tun. Und so kam es, dass ich 1993 eine eigene Radiosendung bei coloradio (freies, lokales Radioprogramm im Raum Dresden) ausstrahlen durfte.

Bis 1994 ist einiges passiert und ich fing an, neben dem Mischen von MCs auch Schallplatten zu benutzen. Zusätzlich habe ich ein neues Mischpult gebaut, was nun 6 Eingangskanäle in stereo verarbeiten konnte. Das Teil hatte 100mm Fader verbaut, die aufgrund ihrer Bauart immer mal wieder kaputt gingen, kratzten und ausgetauscht werden mussten. Da diese Potis Mangelware waren, war ich um so mehr um den Dauererhalt bemüht. Die Kiste war aus Sperrholz gefertigt, die Faderbahnen wurden mit Laubsäge und Feile eingearbeitet. Außerdem spielte das Thema Computer eine größere Rolle. Mit einem 386er – 40MHz getacktetem IBM-Superbrain war es sogar schon möglich, kurze Sound-Samples digital zu speichern und abzurufen. Mit dieser fetten Soundkarte konnte man eigene Samples in einer sogenannten SoundFontBank speichern und über MIDI abrufen.

Creative Soundblaster AWE64Gold – ca. 300DM, Beschaffungszeit mehrere Monate

Damit es einer Disco ähnlich war, habe ich in meiner Bude noch eine Lichtanlage installiert. Gesteuert wurde alles über ein selbstgebautes Lichtsteuerpult, welches ich später sogar für das Schülertheater im Einsatz hatte. Lauflicht, Aussteuerungsanzeige und Stoboskop waren der heiße Scheiß der damaligen Zeit.

Verstärkt wurde zu dieser Zeit mit einem kompakten Ghettoblaster, der dann vermutlich durch Überlastung kaputt ging und durch ein Komponentensystem ersetzt wurde. Das Teil hatte mächtig Power und brachte das manche Mal meine Eltern um ihre (geräuschlose) Erholung.

1995 Nachmittags-Set

Auf dem Regal stehen mittlerweile mehr als 150 MCs, die meisten mit Aufnahmen vom Jugendradio DT64. Da ich den Sender und seine Protagonisten liebte, ging die Abschaltung im Zuge des Einigungsvertrages nicht spurlos an mir vorbei. Entstanden ist ein Zusammenschnitt der Ereignisse aus meiner Sicht.

Der Einsatz von Computern zur Musikerzeugung wurde immer wichtiger. So standen bis 1998 sogar 2 Computer im Studio. Angesteuert über ein MIDI-Keyboard sind Titel wie „Contact“ entstanden.

CONTACT – Part 1 (The First Contact)

Die selbstgebauten Klangerzeuger in den Pappschachteln wurden später noch in richtige Gehäuse verbaut.

Die Ansprüche wuchsen und so wurden 1997 zwei Stück DJ-Plattenspieler und ein Mischpult gekauft. Außerdem besuchte ich regelmäßig einen lokalen Record-Store und deckte mich mit frischem Vinyl ein. Die Musik wurde zunehmens härter und dunkler, so dass auch mein „djstudio“ eine Wandlung in Richtung schwarz erfuhr. Hier ein Blick in die Plattenkiste:

Abtastsystem am Eigenbau-Halter

Als elektronische Musikerzeuger sind einge Geräte im djstudio gelandet, die zum Teil selbst gebaut waren. Das Keyboard hatte ich allerdings käuflich erworben.

Bis 2003 kam auch bei mir die CD mehr und mehr in Mode. Damit ich auch mit CDs mixen konnte, schaffte ich mir 2 DJ-CD-Decks an. Der erste Einsatz außerhalb meines Studios war bei einer Geburtstagsfeier bei Freunden.

2003 CCParty

Zu Hause hatte sich auch einiges geändert. Der Umzug in die eigene Wohnung brachte ein neues Arrangement der Technik mit sich. Angeschafft habe ich neben zwei analogen Musikinstrumenten – Digeridoo und Regenmacher – auch einen MD-Player und ein großes Keyboard, welches über MIDI angeschlossen war.

Aber auch die kleine Silberkiste namens „TB303PRO“ wurde wieder mit integriert. Dieser selbstgebaute Synthi konnte ähnliche Klänge erzeugen wie die legendäre Roland TB-303. Angesteuert über MIDI kamen durch Filter- und Q-Regler zwitscherne Töne zustande. Mit diesem Setup sind Titel wie „spitzenmusik“, „kitchen“ und „extrem wie chlor“ entstanden.

spitzenmusik
kitchen
extrem wie chlor
TB303PRO

In den Jahren 2007 bis 2010 durfte ich die musikalische Unterhaltung in einer Kletterhalle bei der im Oktober stattfindenden Geburtstagsfeier mit meiner Technik unterstützen. Es kam neben der CD mehr und mehr digitale Mittel zum Einsatz. Besonders angetan hatte es mir das Programm „Traktor DJ Studio“ von NativeInstruments, was sogar auf meinem kleinen Samsung Q10 Laptop brauchbar lief.

Das Mixen mit der Maus bzw. mit dem Touchpad war natürlich nur semi-professionell handlebar. Daher ergänzte ich mein Setup 2013 durch einen DJ Controller und konnte mich von nun an als „digital DJ“ bezeichnen. 2015 verkaufte ich das Gerät wieder, da mich dieses computerunterstützte Mixen nicht wirklich erfüllte.

Numark MIXTRACK PRO

Ende 2015 probierte ich es nochmal mit einem kleinen MIDI-Keyboard, welches ich nur ca. 1 Jahr genutzt habe. Daraus ist keine neue Musik entstanden.

midistart music 25

Mittlerweile besitze ich keines der vorgestellten Geräte mehr. Und somit endet hier die Geschickte des DJ KonsuMbrötchen. Seither bin ich eher Genießer von Musik.

Geschenk eines Freundes aus der Berufsschule

3 Antworten auf „Technik“

  1. Der Hammer! Besonders der DJ-Konsumbrötchen-Rap. Der Beitrag erinnert mich an meine Geschichte der Plattenkiste. Aber da fehlt es irgendwie an Bildern und Tonbeispielen. Vielleicht ist das die Anregung, das mal bei mir zu überarbeiten.

    Interessant finde ich, dass ich letztens auch so die Erkenntnis hatte, dass Musik machen eigentlich noch nie so richtig mein Ding war. Es ist immer nur bei Experimenten geblieben bzw. hab ich immer nur Musik nachgemacht, die ich woanders gehört hab. Bisweilen ist das echt subtil gewesen und hat mich stellenweise Jahre gekostet, das zu erkennen.

    1. Ein echtes Zeitdokument eben. Im angekündigten Beitrag über Software werden noch mehr schräge Produktionen zu hören sein. Also immer schön dranbleiben, könnte sich lohnen.

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